
Robin Kemper ist 31 Jahre alt und Fahrlehrer aus Leidenschaft. Seine Begeisterung für den Beruf liegt in der Familie – sein Vater ist selbst Fahrlehrer und hat eine eigene Fahrschule. Im Verkehrsfunk-Talk spricht er mit Tatjana Contzen über seine Erfahrungen in der Fahrlehrerausbildung, die besonderen Herausforderungen der praktischen Prüfung und warum der Generationswechsel in der Branche so wichtig ist.
Der Weg zum Fahrlehrer: Früh übt sich
Robin fühlt sich schon seit 20 Jahren als Fahrlehrer, wie er erzählt – der Beruf war in der Familie allgegenwärtig. Er war einer der jüngsten Fahrlehrer Deutschlands, als er mit Ende 19 seine Ausbildung begann. Das war möglich, weil es Ausnahmen gibt: Mit einer Ausnahmegenehmigung sowie einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) konnte er bereits vor dem 21. Lebensjahr starten.
Bevor er Fahrlehrer wurde, absolvierte er eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker. Die technische Vorbildung macht seiner Meinung nach definitiv Sinn, da ein großer Technikbereich zur Fahrlehrerausbildung gehört.
Die fahrpraktische Prüfung ist für viele angehende Fahrlehrer die größte Herausforderung. Robin erklärt den detaillierten Ablauf: Die Prüfungszeit beträgt 75 Minuten, in denen man mit einer Prüfungskommission durch Köln fährt. Diese besteht meist aus einem Fahrlehrer und einem Ingenieur vom TÜV, die die Fahrweise der Kandidaten beurteilen.
Die Prüfung beginnt mit praktischen Übungen rund um das Thema Anhängertechnik: Verbinden und Trennen von Anhängern sowie eine Abfahrtkontrolle mit Fragen zur Zulassungsbescheinigung, zum zulässigen Gewicht und zur Ladungssicherung.
Anschließend folgt die eigentliche Fahrprüfung, bei der sowohl Solo- als auch Anhängerfahrten geprüft werden. Robin betont, dass der Ablauf sehr flexibel ist und kein fester Rahmen existiert. Die Prüfer gestalten die Prüfung unterschiedlich, wobei es natürlich bestimmte Standardelemente gibt, die immer durchgeführt werden.
Viele Kandidaten fallen durch die fahrpraktische Prüfung – manchmal wegen vermeintlicher Kleinigkeiten wie übersehener Vorfahrtsschilder oder roter Ampeln. Die größte Voraussetzung für das Bestehen ist laut Robin, die volle Konzentration von der ersten bis zur letzten Minute aufrechtzuerhalten.
Entscheidend ist: Die Prüfung beginnt mit der Begrüßung der Prüfer und endet erst, nachdem die Fahrzeugtür geschlossen wurde – nicht bereits auf dem Weg zurück zum TÜV. Es gab tatsächlich Fälle, in denen Kandidaten auf dem Rückweg zum TÜV noch einen entscheidenden Fehler machten.
Die Prüfungssituation ist bewusst ernst und fordernd. Robin erklärt, dass manchmal auch provokante Bemerkungen fallen, um das Nervenkostüm der Kandidaten zu testen. Viele Teilnehmer berichten im Nachhinein, dass genau diese realistische Vorbereitung ihnen geholfen hat, sich auf die tatsächliche Prüfungssituation einzustellen.
Um die Kandidaten optimal vorzubereiten, führt Robins Verkehrskolleg nach der siebten Anhängerfahrt eine umfassende Prüfungssimulation durch. An diesem Tag absolvieren die Teilnehmer mit verschiedenen Fahrzeugkombinationen rund acht Prüfungsdurchläufe. Zwei Dozenten simulieren dabei die echte Prüfungssituation und geben am Ende eine detaillierte Rückmeldung.
Der Mehrwert dieser Simulation ist enorm. Viele Teilnehmer sind überrascht, wie streng die sonst lockeren Dozenten plötzlich auftreten. Diese Diskrepanz ist gewollt: Während des normalen Unterrichts herrscht eine entspannte Atmosphäre mit Spaß und gelegentlichen Scherzen. Die Prüfungssimulation hingegen ist kompromisslos ernst – genau wie die spätere echte Prüfung.
Nach der Simulation folgen drei bis vier weitere Praxiseinheiten. In diesen werden gezielt die Schwachstellen aufgearbeitet, die in der Simulation identifiziert wurden. Gleichzeitig werden die gut gelaufenen Aspekte vertieft und gefestigt.
Die Ausbildung am Verkehrskolleg folgt einem durchdachten Konzept. Zu Beginn werden mit Analysefahrten der individuelle Ist-Stand der Teilnehmer festgestellt. Dann folgen etwa neun Solofahrten, bevor die Anhängerfahrten beginnen. In dieser Phase werden alle relevanten Themen des Straßenverkehrs behandelt: Spiegelnutzung, Blinker, Schulterblick, Fahrstreifenwechsel, Vorfahrtregeln und Grundfahraufgaben.
Erst nach dieser gründlichen Solovorbereitung kommen die Anhängerfahrten. Parallel zur praktischen Ausbildung laufen 30 bis 36 Stunden theoretischer Unterricht, in denen die Abfahrtkontrolle im Detail behandelt wird. So haben die Teilnehmer in den finalen praktischen Terminen ausreichend Zeit, das Gelernte umzusetzen, ohne sich permanent mit theoretischen Grundlagen beschäftigen zu müssen.
Robin sieht den Generationswechsel in der Fahrlehrerbranche als permanente Herausforderung. Jede neue Generation bringt neue Anforderungen mit sich, mit denen sich Ausbilder auseinandersetzen müssen. Aktuell kommen viele junge Fahrlehrer in die Branche, die mit anderen Erwartungen und Gewohnheiten aufgewachsen sind.
Die technologische Entwicklung spielt dabei eine zentrale Rolle. Robin identifiziert fünf prägnante Zukunftsthemen: Von Fahrsimulators über Fahrerassistenzsysteme bis hin zum autonomen Fahren – all diese Technologien werden die Fahrlehrerausbildung in den kommenden Jahren beeinflussen.
Entscheidend ist die Bereitschaft zur kontinuierlichen Weiterbildung. Man müsse sich auf Veränderungen einlassen, sie verstehen und sich entsprechend weiterbilden, betont Robin. Diese Notwendigkeit zur Anpassung war in den letzten Jahren immer gegeben und wird auch in Zukunft bestehen bleiben.
Auch die Anpassung an die jüngere Generation stellt Herausforderungen dar. Die kürzere Aufmerksamkeitsspanne und die hohe Medienaffinität der jungen Menschen erfordern neue didaktische Ansätze. Robin gibt zu, dass selbst er mit seinen 30 Jahren manchmal Schwierigkeiten hat, mit den neuesten technischen Entwicklungen Schritt zu halten – die jüngere Generation ist hier oft deutlich affiner.
Ein besonderes Anliegen ist Robin die Förderung von Frauen in der Fahrlehrerausbildung. Mit nur 11% Frauenanteil in der Branche gibt es noch erhebliches Potenzial. Er ermutigt ausdrücklich Frauen, den Beruf der Fahrlehrerin zu ergreifen.
Im letzten A-Lehrgang seines Verkehrskollegs waren 13 Frauen vertreten – ein beachtliches Ergebnis, das Robin sehr freut. Im aktuellen C-Lehrgang sitzt eine Frau, im D-Lehrgang ebenfalls. Die Entwicklung geht in die richtige Richtung, aber es gibt definitiv noch Luft nach oben.
Robin weist darauf hin, dass die subjektive Wahrnehmung vor Ort nicht immer dem Bundesdurchschnitt entspricht. Bei den Klassen B und A bewegt sich die Entwicklung bereits positiv, und diese Tendenz sollte sich auch auf die anderen Führerscheinklassen ausweiten.
Das Image und Rollenverständnis des Fahrlehrers in der Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert, findet Robin. Die Branche arbeitet seit vielen Jahren, sogar Jahrzehnten, an diesem Imagewandel. Dennoch könnte die Entwicklung noch ein Stück weiter in die richtige Richtung gehen.
Robins Begeisterung für seinen Beruf ist durchweg spürbar. Was ihm am meisten Spaß macht, ist das Unterrichten und die Zusammenarbeit mit den Teilnehmern. Die vielen Lernerfolge zu beobachten, gemeinsam zu lachen und eine gute Atmosphäre zu schaffen – das sind für ihn die Highlights des Berufs.
Gleichzeitig betont er, dass es trotz aller Lockerheit darum geht, echte Lernerfolge zu erzielen. Jeder Unterricht bringt etwas Neues, und diese kontinuierliche Entwicklung macht die Tätigkeit besonders erfüllend.
Die Herausforderung liegt darin, in den Feinheiten den richtigen Mittelweg zu finden und dennoch angehende Fahrlehrer optimal vorzubereiten. Genau hier setzt die strukturierte Ausbildung seines Verkehrskollegs an: Sie verbindet fachliche Kompetenz mit mentaler Vorbereitung und bereitet die Kandidaten umfassend auf die anspruchsvolle Prüfungssituation vor.
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Über den Podcast:
Dieser Artikel basiert auf dem Verkehrsfunk-Talk vom 23. Januar, einem neuen Podcast-Format aus dem Verkehrskolleg. Gastgeberin Tatjana Contzen spricht mit wechselnden Gästen über aktuelle Themen aus der Welt des Verkehrs und der Fahrlehrerausbildung.