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Die Fahrlehrerprüfung: Mehr als nur bestehen

Die Fachkundeprüfung: Was Sie erwartet und wie Sie sich optimal darauf vorbereiten.

„Die Straße zum Erfolg ist immer eine Baustelle” – dieser Gedanke begleitet uns durch die gesamte Fahrlehrerausbildung. Aber was bedeutet Erfolg eigentlich? Ist es die bestandene Prüfung? Oder lässt sich aus diesem Prozess noch viel mehr herausholen?

Ein Wort vorab: Wir brauchen mehr Frauen!

Stand heute liegt der Anteil von Fahrlehrerinnen in unserer Branche bei gerade einmal 11 Prozent. Das ist dramatisch niedrig. Deshalb mein Aufruf an alle Frauen: Meldet euch in einer Fahrlehrerfachschule an und macht die Fahrlehrerausbildung! Unsere Branche braucht euch dringend.

Die Fachkundeprüfung – unterschätzt und gefürchtet

Die Fachkundeprüfung schließt bei der Bezirksregierung Köln an die bestandene fahrpraktische Prüfung an. Während der achtmonatigen Ausbildung mit mindestens 1080 Unterrichtsstunden absolvieren die Teilnehmenden meist im vierten oder fünften Ausbildungsmonat ihre fahrpraktische Prüfung. Danach folgt die Fachkundeprüfung, die aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil besteht.

Rund um diese Prüfung kursieren viele Mythen und dubiose Geschichten. Zeit, damit aufzuräumen und Klarheit zu schaffen.

Die schriftliche Prüfung: Fünf Themen, fünf Stunden

Die schriftliche Fachkundeprüfung bei der Bezirksregierung Köln besteht aus fünf Klausurthemen (am Beispiel Klasse B und BE). Das Wort „Klausur” ist dabei bewusst gewählt – denn es handelt sich tatsächlich um eine Lehrerprüfung.

Die fünf Themen verteilen sich wie folgt:

- Juristisches Thema (kann auch als Fahrlehrer-Thema formuliert sein)

- Zwei Pädagogikaufgaben (aufgrund der hohen Stundenzahl des Pädagogikunterrichts)

- Ein Fahrlehrer-Thema

- Ein technisches Thema aus dem Ingenieursbereich

Für diese fünf Themen stehen insgesamt fünf Zeitstunden zur Verfügung, die frei eingeteilt werden können. Alle Aufgabenstellungen liegen auf dem Tisch, und jeder Prüfling entscheidet selbst, mit welcher Aufgabe er oder sie beginnt und wie die Zeit aufgeteilt wird.

Was wird eigentlich geprüft?

Die Aufgabenstellungen orientieren sich am Curriculum der Fahrlehrerausbildungsverordnung und spiegeln wider, was im Unterricht behandelt wurde. Das kann beispielsweise die Erklärung der Funktion eines Getriebes anhand einer technischen Zeichnung sein, eine Pädagogikaufgabenstellung zum Vier-Ohren-Modell nach Friedemann Schulz von Thun oder die Planung einer Unterrichtsstunde für den theoretischen Unterricht.

Ein aktuelles Beispiel: Im Rahmen des ruhenden Verkehrs die Begriffe „Halten” und „Parken” erläutern sowie beispielhaft Halt- und Parkverbote erklären.

Der große Unterschied: Fachwissen vs. Lehrerkompetenz

Bei der schriftlichen Prüfung geht es darum, das gesamte Fachwissen zu den jeweiligen Themen auf Papier zu bringen und deutlich zu machen, dass man das nötige Wissen für den theoretischen und praktischen Unterricht besitzt.

Was dabei oft unterschätzt wird: Wie präsentiere ich diese Informationen? Es ist eine Fahrlehrerprüfung, also eine Lehrerprüfung. Es geht dabei auch um Erklärfähigkeit und Strukturierung.

Struktur ist alles

Ein gut strukturierter Aufsatz beginnt mit einer Einleitung, liefert die notwendigen Informationen in Form von Definitionen und baut dann den Inhalt verständlich und nachvollziehbar auf. Dabei helfen didaktische Grundprinzipien – vom Einfachen zum Schweren. Anschauliche Zeichnungen, gute Beispiele und klare Formulierungen werden parallel mitbewertet.

Das bedeutet: Auf der einen Seite geht es um Inhalt und Information, auf der anderen Seite um die Aufarbeitung, Erklärfähigkeit und Strukturierung. Die Zeit ist begrenzt – deshalb ist es wichtig, gut einzuschätzen, was realistisch geschafft werden kann.

Schnelligkeit ist also gefragt: Wie schnell kann ich denken, wie schnell kann ich schreiben und wie schnell kann ich das zu Papier bringen, was ich vermitteln möchte? Eine kleine Stoffsammlung zu Beginn hilft dabei zu erfassen, wie groß das Thema ist, wie ausführlich es sein muss und wo Kurz- und Knappinformationen ausreichen.

Strategische Vorbereitung zahlt sich aus

Die Aufgaben werden an den jeweiligen Fachprüfer oder die Fachprüferin geschickt, die später auch in der mündlichen Prüfung befragt. Deshalb lohnt es sich, gut zu überlegen, mit welchem Thema man startet.

Am Morgen sollten alle Themen gesichtet werden: Mit welchem Thema starte ich? Dann hilft eine kleine Stoffsammlung, um abzuschätzen, wie umfangreich das Thema ist und wo Zusatzinformationen eingebracht werden können – denn die Aufgaben sind naturgemäß unterschiedlich komplex.

Die mündliche Prüfung: Schnell, präzise, kompetent

Einige Wochen nach der schriftlichen Fachkundeprüfung folgt die mündliche Prüfung. Sie dauert etwa 30 Minuten und besteht aus einem Abfragen durch vier Prüfungsausschussmitglieder: den Vorsitzenden (Jurist oder Juristin von der Bezirksregierung), einen Fahrlehrer oder eine Fahrlehrerin, einen Pädagogen oder eine Pädagogin sowie einen Ingenieur oder eine Ingenieurin.

Bei uns gibt es tatsächlich nur eine Ingenieurin – schade eigentlich. Auch hier wären mehr Frauen wünschenswert!

Die vier Prüfer stellen jeweils für etwa siebeneinhalb Minuten Fragen zu ihren Themen. Am Ende ergibt sich aus der schriftlichen und der mündlichen Prüfung eine Gesamtnote. Beide Noten müssen mindestens ausreichend sein, damit die Fachkundeprüfung bestanden ist und der Anwärterschein erteilt werden kann.

Was macht die mündliche Prüfung aus?

In der mündlichen Prüfung geht es darum, möglichst schnell, kurz und knapp Fachinformationen zu vermitteln – ohne große Umschweife. Typische Aufgabenstellungen: „Nennen Sie mir fünf Haltverbote”, „Definieren Sie Kraftfahrzeug”, „Erklären Sie das Vier-Ohren-Modell von Schulz von Thun” oder „Wie funktioniert der Viertaktmotor eines Dieselfahrzeugs?”

Es geht um reines Abfragen, manchmal etwas in die Tiefe gehend. Dabei wird auch getestet, inwieweit ein Thema verstanden wurde, manches abrufbar ist und souverän wiedergegeben werden kann.

Die harte Wahrheit: Note ist nicht alles

Aus der Praxis als Ausbildungsfahrlehrerin zeigt sich oft: Wer gerade mit einer Vier durch die Fachkundeprüfung gerutscht ist, hatte tatsächlich auch später Probleme bei der Unterrichtsgestaltung und Durchführung von theoretisch-praktischem Unterricht. Warum? Weil die Inhalte nicht sicher und souverän genug saßen, um sie in einem Lehrkontext wiedergeben zu können.

Die Note spielt also eine wichtige Rolle – nicht wegen der Note selbst, sondern wegen des sicheren, kompetenten Abspeicherns dieser Information. Schließlich lernt man nicht für die Fahrlehrerprüfung, sondern man braucht genau diese Inhalte später, um als kompetente Lehrkraft im Unterricht zu erscheinen.

Der große Vorteil guter Vorbereitung

Wer die Vorfahrtsregeln und Haltverbote wirklich beherrscht, kann sie nicht nur in der Fachkundeprüfung wiedergeben. Vor allem hat man später im theoretischen Unterricht den Riesenvorteil, das Thema souverän unterrichten zu können, selbst fachlich sicher zu sein und sich nicht erst fragen zu müssen: „Oh warte, wie war das noch?” Die methodische und pädagogische Kompetenz, Inhalte aufzuarbeiten, kommt hinzu.

Gleichzeitig ist es aber auch die Aufgabe des Fahrlehrers oder der Fahrlehrerin in der Lehrprobe, darauf zu achten, dass alles inhaltlich sauber, sicher und fachlich korrekt vermittelt wird.

Fazit: Die Straße zum Erfolg

Die Straße zum Erfolg ist immer eine Baustelle. Niemand rast mit Tempo 120 durch die Baustelle. Vielleicht lohnt es sich auch beim Thema Prüfung, das Tempo zu drosseln und bewusst auf mehr zu setzen als nur auf das Bestehen.

Mit Sicherheit nehmt ihr am Ende mehr Erkenntnisse mit als nur die bestandene Prüfung.

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Falls ihr Fragen und Anregungen habt, sind wir jederzeit für euch da – schreibt uns einfach an info@verkehrskolleg.de.

Bleibt neugierig – wir freuen uns darauf, euch auf eurem Weg zu begleiten.

– Tatjana Contzen,

Verkehrskolleg